Archiv für den Monat: Oktober 2010

mediacity conference 2010

am kommenden wochenende findet an der bauhaus universität in weimar die mediacity conference 2010 statt.

“The 3rd MediaCity conference will investigate how new media re-define social settings and urban spaces and how they influence architecture as well as media art & design in urban contexts, thus constituting new social and cultural practices.”

zusammen mit dem cpe der tu kaiserslautern und nexthamburg beteiligt sich metastadt am workshop programm. gemeinsam wollen wir die möglichkeiten digitaler medien im zusammenhang mit einer verbesserten beteiligung an urbanen prozessen zeigen und ein neues tool für digital unterstützte spaziergänge präsentieren. zudem findet ein kleiner spaziergang statt, der ein neues projekt ‘a-b-city’, vorstellt, in dem es um typografie im öffentlichen raum geht.

spaziergangswettbewerb

metastadt gratuliert stadtstadtstadt zum geburtstag mit einem wettbewerb. gesucht wird dein schönster stadtspaziergang. egal ob rundgang zu sehenswürdigkeiten, auf der suche nach der wildnis, einer expedition in unbekannte gefilde, stadtforschung, landschaftsbildung, themenbezogene spaziergänge oder rundgänge zu gerüchen oder schönen klängen, reisen im eigenen zimmer, stadtspiele etc. jeder spaziergang mit stadtrelevantem inhalt kann an dem wettbewerb teilnehmen.

zu gewinnen gibt es einen ersten und zwei zweite preise. der erste preis ist die gemeinsame durchführung des spaziergangs in absprache mit dem gewinner. der spaziergang wird auf metastadt publiziert und von uns dokumentiert. am ende werden die bilder, filme, zeichnungen und sonstigen materialien in form eines pdf-magazins in die spaziergangsdatenbank aufgenommen. die zwei zweiten preise sind die aufnahme der spaziergänge in die datenbank und ein erweiterter blogeintrag dazu.

wir freuen uns auf eure einreichungen, am besten als pdf-dokument mit betreff “spaziergangswettbewerb” an stadtstadtstadt[aet]web de. die beschreibung kann gerne mit bildern sein, sollte aber den umfang von zwei a4-seiten nicht überschreiten. einsendeschluss ist der 15.12.2010, der rechtsweg ist selbstverständlich ausgeschlossen (wäre auch ein schöner spaziergang – entlang des rechtswegs). die gewinner werden anfang/mitte januar 2011 von uns benachrichtigt.

postet diesen wettbewerb gerne auch über eure blogs und ladet freunde und bekannte zur teilnahme ein.

der sarrazin-test – ein janes walk auf den spuren der bild zeitung

thilo sarrazin spricht in seinem buch „deutschland schafft sich ab“ einiges an, was vermutlich viele menschen in deutschland denken und führt seine belege an beispielen des stadtteils neukölln aus. dadurch ist neukölln wieder einmal im kreuzfeuer
der kritik und steht als bild für alles, was in der gesellschaft schiefgelaufen ist und aktuell noch schiefläuft. der vorläufige tiefpunkt der diskussion wurde mit dem „sarrazin-test“ der bild-zeitung erreicht, in dem der reporter marc fischer den stadtteil
einem subjektiven test auf grundlage einiger von sarrazin`s thesen unterzieht. dieser artikel zeigt ein bild von neukölln, das die thesen sarrazin`s nur sehr oberflächlich und unernst konterkarriert. dadurch wird dieses weiter geprägt und alles, was
den stadtteil bunt und lebendig macht zum nebenschauplatz degradiert. auch bleibt die chance, den bezirk, die stadt und zuletzt deutschland zu einem weltoffenen land der vielheiten zu gestalten, unbenannt. durch u.a. diesen artikel wird dieses
einseitige bild in der republik manifestiert und ein ganzer stadtteil, also ein teil unserer gesellschaft aufgegeben.

photo: kmd

der spaziergang, soll genau dieses gezeichnete bild untersuchen. gemeinsam wollen wir am 22. oktober nach neukölln gehen und den „sarrazin-test“ der bild-zeitung auf die probe stellen. wir wollen einen teil der genannten orte besuchen und
herausfinden, „Wie ist es da eigentlich? Kann man da noch hin, wenn man a) kein Moslem ist, b) nicht bewaffnet ist, c) sich nicht zum Drogenhändler ausbilden lassen will?“ vgl. marc fischer ‚neukölln im sarrazin-testʼ in bams v. 12.09.2010

der spaziergang wird durchgeführt von karsten michael drohsel und richtet sich primär an die erstsemesterstudierenden der stadt- und regionalplanung am isr der tu berlin. einige wenige interessierte externe können jedoch ebenfalls teilnehmen. eine anmeldung können sie über die kommentarfunktion zu diesem artikel vornehmen. schreiben sie uns einen satz zur motivation an diesem spaziergang teilzunehmen und vergessen sie nicht ihre mailadresse anzugeben, damit ich mich zurückmelden kann. die kommentare werden nicht veröffentlicht.

zur vorbereitung empfehle ich die lektüre des artikels „Neukölln im Sarrazin-Test“ von marc fischer, der unter bild.de zum download steht

wer mehr über die janes walks wissen möchte kann sich vorab unter www.janeswalk.net informieren. ich bringe noch ein paar ergänzende materialien mit.

gemeinsam dérivieren

yeah, urbanize!

einladung zu einem flaniergang durch berlins alte und neue mitten.

das stadtforschungsmagazin dérive aus wien feiert heuer sein 10-jähriges bestehen und gleichzeitig die ausgabe nummer 40. aus diesem anlass werden allerorten spaziergänge veranstaltet, die die stadt zum forschungsobjekt machen.

im rahmen des laboratoire dériveforschungsreisen international wollen wir durch die stadt mäandern. wir treffen uns samstag den 9. oktober 14h (s.t.) am bärenzwinger am märkischen museum. er befindet sich direkt im köllnischen park hinter dem märkischen museum (rungestraße/am köllnischen park). die anreise am besten mit dem öpnv entweder u-bahnhof märkisches museum (U2), s- und u-bahnhof jannowitzbrücke oder u-bahnhof heinrich-heine-str. (U8). die karte zum treffpunkt findet ihr auf google maps.

für das laboratoire dérive wurden spielregeln definiert, die hier nachgelesen werden können. wichtig ist jedoch dass material zur dokumentation von jede/r/m selbst mitgebracht werden sollte: foto- oder videokamera, papier, stifte, evtl. klemmbrett, stadtplan und was euch sonst so einfällt. das entstandene dokumentationsmaterial wird gesammelt und aufbereitet und schlussendlich an dérive geschickt. damit solltet ihr einverstanden sein.

der flaniergang erfolgt auf eigene gefahr und wird veranstaltet von metastadt einem projekt von stadtstadtstadt, kuratiert von karsten michael drohsel und werner pregler.

weitere infos auch auf der twitter-seite von stadtstadtstadt

was ist metastadt?

METASTADT ist ein gemeinsames Projekt von Karsten Michael Drohsel und Werner Pregler. Ziel ist es zum einen Spaziergänge zu sammeln, zu Dokumentieren, selbst Spaziergänge anzubieten und auszuwerten. Zum anderen betreiben wir ‚laufende’ Stadtforschung, erschließen spaziergangsrelevante Quellen und stellen Spaziergänger vor. Über diesen Blog wollen wir die Kommunikation zwischen Spaziergänger/inne/n und Flaneur/inn/en befördern und Impulse für eigene Spaziergänge geben. Unsere Tätigkeitsfelder sind weit gesteckt und umfassen neben einem wissenschaftlichen und dem anwendungsorientierten Teil auch Exkursionen in die Stadtentwicklung oder partizipative Kunst.

Wir sind permanent interessiert an neuen Ideen und Impulsen, an Lob, Anregung, Meinung und Kritik. Diese kann gerne in Form von Kommentaren zu Artikeln passieren oder auch direkt per Mail an uns. Wir freuen uns sehr auf den Austausch.

ZUEIGNUNG

„Das Ohr aufwecken, die Augen, das menschliche Denken, die Intelligenz, die größtmögliche entäußerte Innerlichkeit. Das ist heute das Enscheidende“ Luigi Nono 

Wenn wir gehen, sind wir häufig linear unterwegs von einem Punkt zum anderen. Vorab informiert, berechnet und medial navigiert. Was wir auf dem Weg registrieren sind ausschließlich notwendige Mittel zur Orientierung: Ampeln, Zebrastreifen, Straßennamen, Signaltöne, markante Kreuzungen und Hausecken. Außer dieser selektiven Wahrnehmung von Wegmarken, die uns helfen schnell und sicher an unseren Zielort zu gelangen, nehmen wir häufig nichts weiteres wahr. Die Zwischen- und Übergangsräume, die Sinnlichkeit der durchlaufenen Orte, der Klang, die Raumschichtung, Durchblicke, Materialität, Menschenspuren fallen uns lediglich auf, wenn sie uns stören, und am meisten stören uns Dinge die das Tempo verzögern, Umwege und Stillstand. Diese Gelegenheiten könnten jedoch ein willkommener Anlass zu kurzer Rast sein und die Möglichkeit bieten sich mit dem umgebenden Stadtraum bekannt und vertraut zu machen.

“I´ ve spent a lot of my life looking, but less of it looking around” Lucy R. Lippard

Das Hauptinteresse von METASTADT ist der Spaziergang als Werkzeug zur Schulung der Wahrnehmung und zur (Re-)Aktivierung der Sinne im Stadtraum.

= Spaziergang als Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit

In der spaziergängerischen Praxis orientieren wir uns an den bekannten Flaneuren vergangener Zeiten (Henry David Thoreau, Franz Hessel, Walter Benjamin, Lucius Burckhardt, Bazon Brock etc) und machen möglichst viele Umwege, rasten, tasten, hören, riechen, blicken um uns und machen die durch Koordinaten bestimmbare Stelle zum Ort.

Wir wollen gemeinsam ausschreiten und herumstreifen, wobei die subjektiv erlebten Eindrücke im Mittelpunkt stehen und ausgetauscht und reflektiert werden können. Dabei  sind wir in keiner Weise theoriefeindlich, ganz im Gegenteil, beklagen aber, dass sich die Vernunft (ratio) immer weiter von ihrem Ursprung der Anschauung (theoria), also von ihren sinnlichen Elementen entfernt hat.

„Landschaft entsteht im Kopf“ Lucius Burckhardt

Diese beschriebene Entfernung soll durch das Spazieren und Reflektieren überbrückt werden und eine Diskussion durch das sich in Kenntnis setzen über die Attribute des durchlaufenden Raums ermöglicht werden. Vielleicht lassen sich so Fragen nach Schönheit, nach Geborgenheit aber auch darüber, was genau einen Ort ungemütlich oder gar gefährlich erscheinen lässt genauer beantworten.

„responsibility is the ability to respond“ Shelley Sacks

Letztlich geht es darum die Fähigkeit zu entwickeln/vermitteln, die Shelley Sacks in einer kreativen Neuschöpfung des Begriffs „responsibility“ (Verantwortung) als „response-ability“ oder „ability to respond“ bezeichnet hat, also die Fähigkeit auf etwas – eine Person, einen Ort, eine Situation – mit neuen Augen, neuen Ohren und geschärftem Bewusstsein einzugehen, zu antworten (vgl. auch der  deutsche Begriff „Ver-antwort-ung“).

…doch das Wichtigste ist das Unterwegssein, deshalb lasst uns herumschweifen, derivieren, spazieren…

Karsten Michael Drohsel und Werner Pregler