Archiv für den Monat: Mai 2012

spaziergangswettbewerb 2012

die vorbereitungen für den diesjährigen spaziergangswettbewerb laufen langsam an. wer benachrichtigt werden möchte, wenn die ausschreibung veröffentlicht wird, kann sich hier in die mailingliste eintragen. wir sind schon sehr gespannt und freuen uns auf eure einsendungen.

Vertraute Fremdkörper: Spaziergang zu den Ursprüngen der Flanerie

Nach dem großen Erfolg der Citizen Art Days im März findet morgen im Rahmen des 12. Bundeskongress Politische Bildung auf dem Alexanderplatz ein Citizen Art Days Spot zu kooperativen Kunststrategien und Beteiligungspotentiale im öffentlichen Raum statt. Neben mehreren Earth Foren und interessanten Workshops bietet Karsten Michael Drohsel einen Spaziergang in zwei öffentlichen Räumen an: dem privatisierten öffentlichen Raum Alexanderplatz und dem öffentlichen Privatraum einer Shopping Mall. Gemeinsam soll herausgefunden werden, wo in beiden Räumen die Gemeinsamkeiten liegen, wie sich die beiden Räume aneinander angleichen, also wie viel öffentlicher Raum ist in einer Shopping Mall, wieviel privater im öffentlichen Raum.

Vertraute Fremdkörper

Shopping Center, das neuzeitliche Pendant zu den historischen Passagen, sind Gebäude, die städtische Funktionen simulieren, verdichten und in Frage stellen. Sie sind primär ausgerichtet auf den Tausch von Geld gegen Dienstleistungen und Waren und darüber hinaus doch viel mehr. Z.B. entzündet sich an der begrenzten Zugänglichkeit für bestimmte Personengruppen und der permanenten Überwachung durch Sicherheitstechnik und –Personal immer wieder die Diskussion über die (Be-)Deutung des öffentlichen Raums und die verschiedenen Zugriffe durch Privatisierungsbestrebungen.

In Berlin, um den Alexanderplatz herum, sind in den letzten Jahren mehrere Shopping Malls, Arkaden und Passagen entstanden. Sie besetzen den Raum sichtlich, grenzen sich deutlich gegenüber den umliegenden Nutzungen ab und schaffen im Inneren eine künstliche Welt, die in der Regel nur von denen betreten wird, die ein entsprechendes Konsum-Anliegen haben.

Hawaiianische Wochen oder freiwillige Selbstkontrolle?

Auf einem Spaziergang im Rahmen der Citizen Art Days wollen wir auf den Spuren der Flanerie nach zum Beispiel Walter Benjamin oder Franz Hessel gemeinsam in diese funktionale Service-Welt eintauchen und ohne direktes Anliegen an das Angebot den „öffentlichen Raum“ der Shopping Mall „Alexa“ erkunden. Zentrale Fragen sollen sein: Welchen Raum finden wir vor? Wie wirkt das Angebot an Raum und Funktion auf uns, wenn wir nichts kaufen oder konsumieren wollen, also nicht teilnehmen an der intendierten Funktion des Gebäudes und seiner Bespielung? Was werden wir entdecken? Wem werden wir begegnen? Wie werden wir uns fühlen?

Am Ende soll ein kurzer Austausch über die persönlichen Erlebnisse und Empfindungen stattfinden.

Buchempfehlungen zur Vorbereitung:
Franz Hessel: Spazieren in Berlin; Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2011; Gebunden, 240 Seiten, 19,90 EUR
Albrecht Selge: Wach; Rowohlt Verlag, Berlin 2011; Gebunden, 252 Seiten, 19,95 EUR
Aldo Legnaro und Almut Birenheide: Stätten der späten Moderne - Reiseführer durch Bahnhöfe, Shopping Malls, 
Disneyland Paris; VS Verlag der Sozialwissenschaften; Wiesbaden 2005; Broschiert, 304 S., 49,95 EUR

Die Citizen Art Days sind ein Projekt von “Parallele Welten” (Stefan Krüskemper, María Linares und Kerstin Polzin) und werden gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb. Alle Infos findet ihr auf dieser Webseite, die Programmübersicht ist hier zu finden.

Zeit: 23. Mai 2012, 9.30–15 Uhr
Ort: Alexanderplatz
Teilnahme: kostenlos, Anmeldung unter diesem Link erforderlich
In der Mittagspause gibt es Suppe vom “Schwarzarbeiter”.

Nimm Dir Zeit!
Nimm teil!

berichte von den glückswalks

liebe glückssuchende all over germany, anbei die berichte aus den teilnehmenden städten, die uns nach dem jane`s walk wochenende erreicht haben:

STUTTGART: Seid gegrüßt liebe Glückssuchende, wir hatten gestern einen sehr schönen Sonntagnachmittag in den Straßen Stuttgarts. Unsere Mitspaziergänger – alle Altersgruppen waren vertreten – gestalteten eine sehr vielseitige Glückssuche. Während einer alleine los zog, schloßen sich die Anderen gruppenweise zusammen und erlebten das Glück auf ganz unterschiedliche Weise: Kinderspielplätze wurden erobert, mit Architektur Musik gemacht, Eis gegessen, eine Gruppe machte ein “Hopping” von einer offiziellen Stadtführung zur nächsten, eine Bären- und Puppenklinik wurde entdeckt, Zufallsbegegnungen gab es und Begegnungen aus längst vergangener Zeit, Natur in der Stadt wurde entdeckt und eine Gruppe erlag den kulinarischen Verführungen eines netten Cafés und ist die Glücksroute eher mental abgegangen. Postkarten wurden geschrieben und verschickt und einige haben bei uns auch Fotos gemacht. Insgesamt war es ein neugieriger, offener und gutgelaunter Haufen an Glückssuchenden, die sich gerne auf das nicht-geführte Spazieren bzw. auf das Flanieren eingelassen haben. Und das freut mich sehr!

Und noch ein zweiter Bericht: Dem Glück auf der Spur – eine Glückssuche in Stuttgart
Veranstaltet von Arttours und der flanerie. labor für gedanken & gänge

Wir starteten unsere Glückssuche in der Geißstraße, wo zufälligerweise auch der Hans-im-Glück-Brunnen steht – ein optimaler Ausgangspunkt also für unseren Spaziergang. Was ist Glück für uns? Empfinden wir Glück, – wie Hans in dem Märchen der Gebrüder Grimm – wenn wir mit leichtem Herzen und frei von Gut und Geld in der Welt unterwegs sind?

Ungefähr 20 Glückssuchende jeder Altersstufe teilten sich in mehrere Gruppen ein, um in den Straßen Stuttgarts ihr Glück gemeinsam aufzuspüren. Während ein älterer Herr bereits am Ausgangspunkt ankündigte, dass er gleich mit dem Ende beginnt und sich auf dem Killesberg ein Stück Kuchen gönnt, spazierten die Anderen durch eine sonntäglich entspannte Stuttgarter Innenstadt mit dem Ziel, sich in ungefähr zwei Stunden in der Königstraße wieder zu treffen.

Die Glücksroute, orientierend an den Anfangsbuchstaben der Straßennamen mit G – L – U – E – C – K, wurde von jeder Gruppe anders gestaltet und brachte ganz unterschiedliche Erlebnisse mit sich: Zufallsbegegnungen aus längst vergangenen Zeiten, ein spontanes Musizieren mit einer Skulptur nahe der Musikhochschule, Eis essen vor dem Kauf dich glücklich-Laden, das gemeinsam neugierige Entdecken von in Vergessenheit geratenen Innenhöfen, einer Bären- und Puppenklinik und von Natur in der Stadt, ein Gehen auf Erinnerungsspuren eines Stuttgarts vor mehr als 30 Jahren und ein Unterhalten über die Erinnerungskultur in Stuttgart sowie ein spontanes Mitlaufen bei unterschiedlichen Stadtführungen, von denen es an diesem Tag sehr viele gab. Erlebnisse, Gedanken und Grüße wurden am Ende des Spaziergangs auf Postkarten festgehalten und verschickt.

Obgleich jeder seinen Glücksspaziergang anders gestaltete, war es vielleicht das Gefühl jenseits von Terminen, festen Verabredungen und durchgeplanten Treffen mit viel Muße in den Tag hinein leben zu können, das von allen als Glück empfunden wurde.

NÜRNBERG: Wetterglück war uns nicht beschieden und so startete unsere -aufgrund Dauerregens doch eher kleine- Schar trotzdem frohen Mutes die Tour in der im Nürnberger Stadtteil gelegenen Gottfriedstraße. Diese Straße hatte meine Nachbarin ausgewählt, weil sie mit ihrem Mann Gottfried seit Jahren glücklich verheiratet ist.

In einem seit Generationen im Familienbesitz befindlichen Feinkostladen mit munterer Besitzerin fanden wir sogleich unseren ersten Höhepunkt: ein schaurig-schöner Topf mit Bildern der „Ruine Maus“ sowie des „Mäuseturms“, sowie ein uraltes Hinweisschild, das das Spucken auf den Boden polizeilich verbot: ein Schild dieser Sorte hing auch in einem kleinen Bahnhofsladen in dem ich das Glück meiner Kindheit fand: nach meinem jetzigen Dafürhalten grässlich schmeckende Süßigkeiten wie Coladrops. Gleich nebenan ist „Hildes Backwut“ beheimatet, keine Backfertigmischungsteigaufbackstation, sondern ein noch handwerklich arbeitender Bäcker, der Name ist für Nürnberg absolut einzigartig, den würde ich eher in Berlin verorten.

Das natürlich in gelb gehaltene Programm des „Energiezentrums Sonnenaufgang“  verheißt das Glück durch Kraft und innere Ruhe erinnert den „walk leader“ aber mit den Methoden Reiki, Kinesiologie und Lomi-Lomi eher an die Hölle.

Auch ansonsten gemahnt in der Gottfriedstraße einiges eher an  Unglück: im Krieg durch Bomben fast gänzlich zerstört, erfolgte der Wiederaufbau der Südseite im Stile der architektonisch gesehen grässlichen achtziger Jahre: ein großer Sozialwohnungsbetonklotz der auch nach an die Bahn angrenzt. Obwohl unansehnlich  konnten wir uns für die Treppe zur Tiefgarage begeistern, die uns mit ihrer schönen Hallakustik für sich einnahm. Die nächsten Minuten waren der Aufnahme von Kratz-, Schab-,  Klopf-, Schleifgeräuschen am Treppengeländer gewidmet.

In vergammelten Kaugummiautomaten wartet das Kinderglück in Form von „Sticky Fledermaus“, der verfehlte Anglizismus erinnert mich an einen Friseurladen, der allen Ernstes „Happy hairy people“ getauft wurde, allzulange hielt dieses Glück jedoch nicht.

Bahngleise unterquerend fiel uns in der Goldbachstraße als erstes die örtliche Kleingartenanlage auf, naturgemäß für viele ein Glücksort der allerersten Kategorie, für die sämtlich sich in den Mittvierzigern befindlichen Spaziergangsfreunde eine des Bedeutungswandels: vom Hassobjekt ( Inbegriff des deutschen Spießers ) zum coolen Gärtchen ( urban gardening ). Wir lieben v.a. die dort als Gaststätte fungierenden meist selbstgebaut anmutenden Hütten, in denen derbe Kost serviert wird und meist ebenso derb-fröhliche Stimmung herrscht, letzteres konnte allerdings von uns gerade nicht angetroffen werden: unsere Jubelarien wurden von der Wirtin verständnislos quittiert.

Unser aller persönliches Glück fanden wir dann bereits nach Glu, also in der dritten Straße, der Ursulastraße, an deren Ende der Goldbach fließt: Für einmal- da unser Glück doch sonst eher auf Brachen, Recyclinghöfen und türkischen Supermärkten sprießt- konnten wir uns konventioneller Romantik nicht verschließen: eine Idylle inmitten der Stadt, erfreulicherweise nicht zum Park degeneriert, dezent abgelegen, Vogelgezwitscher, Plätschern des Baches, Trommeln der Tropfen auf unseren Schirmen, überall frisches Grün, danach kann nichts mehr kommen…

Es wird aber doch noch etwas kommen: Zum Ausgangspunkt zurückstapfend heckten wir den nächsten Spaziergang aus- mit Gummistiefeln den Goldbach entlang!

HAMBURG: Ahoi in die Runde, auch in Hamburg verlief der Walk zum Glück recht glücklich. Wir waren so involviert in Vergleiche ziehen zwischen Greenwhich Village und Wilhelmsburg, dass wir doch Potz-Blitz und Donner darüberganz vergessen haben, nach dem Glück zu suchen. Oder wir hatten es eben schon gefunden und waren eins mit der in Hamburg noch recht kühlen Welt. Aufgewärmt haben wir uns an unserem Ziel, dem Interkulturellen Garten, wo, und das war purer, um nicht zu sagen: glücklicher Zufall, grade ein öffentliches Frühlingsfest stattfand. Alles in allem ein sehr vergnüglicher Sonntagnachmittag, der allen Beteiligten die Zufriedenheit ins Gesicht schrieb.

FRANKFURT: am samstag, den 5.mai 2012 hatten wir den jane’s walk ja mit unserem glüxxxfest verbunden; man sieht also zum frankfurter “happy germany platz” angelaufene, im “glückistjetzt” club feiernde, musizierende & walkende, photographierende während dem spazierengehen im club (!!!), am näxten tag von frankfurt nach offenbach-bürgel marschierende, unterwegs picknickende und im bergelheimer gadde zum “nixtun-workshop” ankommende und weiterfeiernde. und das alles mit parallelen spazierengehen. jaaa die frankfurteroffenbacherbergelheimer!!! viiiiele waren es nur während dem feiern, zum spazierengehen war die glüxmasse zu unterkühlt, aber wenigstens beim gadde ankommend gab’s wieder einige zugelaufene und dokumentationen.

und wer die photos von den glücksspaziergängen gerne sehen möchte, schaue doch einfach im archiv des glückslabors vorbei.