Archiv für den Monat: März 2013

Lngsm_Eine Reflexion zum Spaziergang “Auf der Schwelle von Benjamin”

Die hintergründige Stadt: Luftschutzbunker, Kammergericht, Wolkenbügel, ehemaliges BVG-Gebäude, Möbel Hübner, Möbelhäuser, Prostitution, Begaswinkel, Geschäftstrasse

Wir gehen nicht vom Vordergrund in den Hintergrund, sondern bewegen uns seitlich in das Geschehen und die Stadt hinein. Wir befinden uns nicht auf einer Brücke von A nach B, sondern innerhalb der Schwelle, zwischen zwei Zuständen; gehen nicht über die Linie von einem Zustand in den anderen, nicht von Haupt- in Nebenstraßen, sondern befinden uns permanent „dazwischen“. Wir schieben uns hinein, die Stadt schiebt sich in unser Wahrnehmungsfeld, LANGSAM LANGSAM LANGSAM

Wir gehen auf den Platz auf dem Plateau vor dem Pallasseum. Ein Möglichkeitsraum schlechthin, ein karger Ort, den sich die Bewohner nach Ihren Bedürfnissen und Vorstellungen nehmen. So nehmen wir uns auch die Stadt während des Spaziergangs. Wir sind auf Benjamins Spuren, die nicht mehr deutlich sichtbar sind, überlagert werden von dem, was wir heute vorfinden. Und auf einmal sind die Orte nicht mehr nur das, was wir sehen, sie werden mehrfachbelichtet; angereichert mit Geschichte und mit der persönlichen Geschichte jedes einzelnen von uns.

Lngsm

Abb.: Lngsm, Foto von Andrea Respondek

AUF DER SCHWELLE ZU BENJAMIN – Eine Reflexion des gleichnamigen Spaziergangs

Die Schwellen zwischen Gestern und Heute mehrmals passiert. In beide Richtungen. Giganten säumten den Weg in die Vergangenheit und trugen schwer an der historischen Verantwortung – Laut war es und schnell schnell schnell.

Vertrautes Terrain mit neuen Codierungen – Überschreibungsvorgang – Palimpsest; Der Markt trug sich selbst zur Schau. Über die Straße das Oval durchquert, es stand alles einmal wo anders; Außer die Bunker, die bekommen sie nicht weg.

Ein Gebäude fliegt mit russischer Leichtigkeit in die Moderne, die aus dem Ballast einen Pallast machte. Erinnerungen an the opposite: „Der Ballast des Volkes“ genannt Volksballast.

Der Berliner kennt es. Er-kennt-es: Beton heilt keine Wunden, doch der Platz, so mussten wir bekennen, war da. Jimmy-Hendrix-Supercomputer übernimmt die Steuerung des Raumschiff Erde, sein Geist konkurriert mit dem in Stein gemeißelten Antlitz Sven Marquardts.

Die Demokratie zog sich zurück in die Gestrüppe drumherum, Vögel sangen ohrenbetäubende Lieder, hundert Euro flogen im Wind.

Um ein paar Ecken rum, unter der Elektrischen, die griechische Baukunst auf den Kopf gestellt. Ein Haus ließ sich durchfahren, ein anderes verweigerte die Geburtsstätte Benjamins zu sein, dafür gab es gleich um die Ecke gebratene Chinanudeln und Streusalz das Kilo für 50 Cent.

Wieder war es laut und leise und schmutzig und billig. Prostituierte trugen ihre Körper über die Schwelle der Orte an denen nichts mehr real scheint. Sie betäuben sich mit Vodka und Klebstoff.

Die alte Lehmann ließt uns die Leviten aus dem Fenster, eine seltsame Frau. Wir flüchten uns in den Begas-Winkel in dem die Welt zu harmlos scheint. Kitschig prallen die Gegensätze auf weitere. Langsam Langsam Langsam entsteigen wir den Antiken Meeren und stehen vor M. Thalle, die es hier lang schon nicht mehr gibt.

Ein Blick entlang, ein Blick hinüber: Sanft erhebt sich die Erde um uns hinein zu bitten, wir nehmen an. Der Weg führt uns zur Insel der Verliebten in deren halbblinden Erwiederung wir verweilen. Kalt ist es geworden, dunkel ist es geworden,

ist geworden…

Mit dem Schnapps in der Tasche gehe ich nach Hause und trunken schlafe ich ein. Die einzige echte Schwelle: zwischen Wachen und Schlafen. Von Anfang an gesagt!

Karsten Michael Drohsel II März 2013

„Auf der Schwelle von Benjamin“

Für alle die, die nicht dabei waren bzw. die, die gerne den Spaziergang nochmal absolvieren wollen hat Sebastian Strombach freundlicherweise ein PDF seines Spaziergangs zu Verfügung gestellt, das HIER heruntergeladen werden kann. Wer den Spaziergang lieber nochmal mit Sebastian erleben möchte, dem sei das Spaziergangswochenende im Mai ans Herz gelegt. Weitere Infos dazu folgen noch.

Abb.: Vom Sport- zum Sozialpalast, Foto von Paul Lange

Abb.: Vom Sport- zum Sozialpalast, Foto von Paul Lange