Archiv für den Monat: Mai 2013

Farben haben mehrere Dimensionen

Anlässlich des Janes Walk 2013 beschäftigten wir uns mit Farben in der bzw. Farben der Stadt, genauer einem Stadtteil, nämlch der Roten Insel Berlins, die umrandet von S-Bahngleisen, Hauptstraßen und einem Gewerberiegel am südlichen Rand des innerstädtischen Zentrums gelegen ist.

Die Rote Insel verdankt ihre Bezeichnung mehreren “Urban Myths” aus denen sich jede/r ihre/seine Lieblingsversion heraussuchen mag. Komponenten, die in jeder Version vorkommen, sind die ehemalige Bewohnerschaft, die zu größten Teilen aus einfachen bis mittel-qualifizierten Arbeitern bestanden haben soll, die traditionell dem eher linken Millieu zugerechnet werden, weswegen innerhalb dem auch “Schöneberger Insel” genannten Gebiet vornehmlich die roten, nicht die schwarz-weiß-roten Fahnen geweht haben.

Unser interesse an Farben galt allerdings nur bedingt der Historie des Stadtteils, sondern vielmehr der generellen Frage, welche Farbe oder Farben der Stadtteil heute hat und noch davor, was wir überhaupt als Farbe betrachten wollen. Diese Diskussion war sehr spannend und rief Begriffe wie z.B. Klangfarbe oder synästhetische Effekte in Erinnerung. Mit diesem Bewusstsein machten sich die TeilnehmerInnen auf den Weg und kartierten zu erst ihre Wege und Bemerkungen bzw. Erkenntnisse auf diesen. (Die Kartenmaterialien werden wir noch einscannen und auf diesem Blog zur Verfügung stellen)

Nach einer Zeit des freien Ausschweifens und rasten im einen oder anderen Kaffee, kam die Gruppe am Gebhard-Müller-Platz zusammen, um über die Erkenntnisse und die daraus erspringenden Schlussfolgerungen zu diskutieren. Nacheinander präsentierten die einzelnen Gruppen ihre Karten und erzählten, wie sie vorgegangen sind und was sie dabei herausbekommen haben. Wesentliche Fragen waren dabei z.B. nach der Korelation von Autofarben und Einkommen der Bewohnerschaft, nach Manipulation von Individuen durch Lichtfarbmischung auf öffentlichen Plätzen, nach etwaigen Zusammengehörigkeiten von gleichfarbigen Häusern, z.B. zu Hausgemeinschaften, Wohnbaugenossenschaften oder Investorengruppen.

Fest steht, wer auf Farben achtet, kann viel aus Städten ablesen und Spaß macht es allemal, denn in bunten Vierteln wird viel gelacht und die Nachbarschften sind offener, aufgeschlossener und freundlicher. So zumindest die einhellige Meinung am Schluss.