Spaziergangswettbewerb 2014 – Sequenz

es ist wieder so weit! Der Sommer ist nach einem zwischenzeitlichen Herbsteinbruch endlich noch einmal zurückgekommen und ihr seid hoffentlich ausgiebig draussen und könnt so den diesjährigen Spaziergangswettbewerb nutzen, eure bisherigen Wegstrecken, ergangenen Gedanken und erlaufenen Erkenntnisse zu reflektieren. Oder ihr nehmt die Auslobung zum Anlass, jetzt loszulaufen und ganz neue Erfahrungen zu machen.

Spaziergangswettbewerb 2014 – Sequenz

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Das Deutsche Wörterbuch führt unter dem Begriff »Sequenz« folgendes auf: »Reihe, Folge; (in der mittelalterl. Liturgie) eingefügter, hymnusähnl. Gesang; (Mus.) auf anderer Tonstufe wiederholte kleine Tonfolge; (Film) Reihe von Einstellungen, die im Handlungsverlauf unmittelbar aufeinnanderfolgen; (Kart.) mindestens drei aufeinanderfolgende Karten gleicher Farbe (zu lat. sequentia).«

In anderen Quellen, wie z.B. in Scott McLouds Buch »Comics richtig lesen« taucht »Sequenz«, gemeint ist hier der Comic selbst, folgendermaßen auf: »Zu räumlichen Sequenzen angeordnete, bildliche oder andere Zeichen, die Informationen vermitteln und/oder eine ästhetische Wirkung beim Betrachter erzeugen sollen.«

Die beiden vorangestellten Quellen beschreiben auf einer abstrakten Ebene das Wesen von Sequenzen, als offene oder abschließende Ab- oder Reihenfolge, die unterschiedlich lang, inhaltlich wie formal variierend ausgestaltet sein kann und in verschiedenen Zusammenhängen jeweils unterschiedliche Ziele verfolgt.

Sucht man unsere Umwelt nach Sequenzen ab wird man überall fündig. Wer sich einmal darauf einlässt, endeckt in allem Reihungen oder Abläufe. Sei es im Film, Comic, Tanz, Spiel oder in der Musik, Architektur oder der Weltraumfahrt. Der Lidschlag unserer Augen bestimmt unsere Wahrnehmung: 24 Bilder pro Sekunde nehmen wir als kontinuierliche Bewegung wahr. Auf diese Weise erkennen wir das Stadtschloß, den Plattenbau in Marzahn, die Kathedrale von Metz, den Fahrplan der S-Bahn, die X-Wiederholung von “Diner for one”, den Countdown, den Takt des Maschinenzeitalters. Alles Sequenzen!

Wer sich wie wir mit »Gehen« beschäftigt, bzw. wer geht, hat ebenfalls unweigerlich mit Sequenzen zu tun, in Form eines Weges, der beim Gehen entsteht und einer inhaltlichen oder thematischen Füllung, die bei den Gehenden eine ästhetische Wirkung erzeugt. Hier begegnen wir Sequenzen, die wir als Schrittfolgen und als Umwelt die unseren Gang begleitet und beeinflusst wahrnehmen, unmittelbar: die Rot-Phasen einer Ampel, die Säulenreihen eines Kirchenschiffs, die Gehwegplatten oder die Reihung der Straßenbäume.

Inspiriert durch diese Bemerkungen steht der diesjährige Spaziergangswettbewerb konsequenterweise unter dem Motto “Sequenz“. Gesucht sind Spaziergänge die sich mit Reihungen, Abfolgen, Konstellationen auseinandersetzen – sei es musikalisch, spielerisch, religiös oder auf ganz andere Art. Besonders interessiert uns neben eurer Herangehensweise den Walk betreffend, die Technik der gewählten Sequenz und die Darstellung der einzureichenden Medien: ob als Text, Film, Comic oder Lied.

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Quellen: Wahrig: Deutsches Wörterbuch, 1972 und Scott McLoud: Comics richtig lesen, 1994

Teilnahmebedingungen

Jede/r die/der Freude an Entdeckungen hat, die sich nur durch die Tätigkeit des aufmerksamen Gehens erschließen lassen, ist herzlich eingeladen am Wettbewerb teilzunehmen. Der Wettbewerb richtet sich zwar primär an Privatpersonen die nicht-kommerziell und nicht-professionell spazieren oder flanieren, professionelle Flaneure und Flaneurinnen können jedoch auch teilnehmen, wenn sie einen Beitrag einreichen, der speziell für den Spaziergangswettbewerb erstellt oder deutlich erkennbar modifiziert wurde.

Wer sich gerne inspirieren lassen möchte kann sich hier die Siegerbeiträge der letzten Jahre anschauen.

Einreichung

Das Medium ist grundsätzlich frei wählbar. Ihr könnt alles einreichen was euren Spaziergang repräsentiert. Möglich sind Fotos, Texte (bitte nicht länger als zwei A4 Seiten), Filme (hier reicht ein Exzerpt), Soundfiles und natürlich Zeichnungen, Karten und Comics, oder eine wilde Mischung aus allem. Wichtig ist nur, dass euer Beitrag es am Ende “gehbar” ist.

Die Dokumente schickt ihr uns am besten als kompakte PDFs per Mail an die Adresse interface at mikromakrowelt.de (bei Mediendateien oder Daten die Größer als 3 MB sind, bitte z.b. auf wetransfer hochladen und nur den Download-Link an uns schicken).

Einsendeschluss ist der 31. Oktober 2014. Die Jury tritt im Lauf des November zusammen und trift eine Entscheidung. Die Gewinner werden bis spätestens Mitte Januar 2015 ermittelt und persönlich benachrichtigt.

Jurierung

Die Auswahl der Siegerspaziergänge wird von einer unabhängigen Jury getätigt. Mitglieder 2014 sind Eva Maria Epple („Berlin-FlaneurInnen“ ehemals Bürgerprojekt „20 grüne Hauptwege Berlin“), Werner Pregler (LeoParts Nürnberg), Sebastian Strombach (mikromakrowelt Berlin) und Karsten Michael Drohsel (mikromakro und urbanophil Berlin). Die Jury legt vor der Auswahlsitzung ihre Kriterien fest, eine Begründung der Juryentscheidung erfolgt nicht. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Prämierung

Es werden drei Spaziergänge als Siegerbeiträge ausgewählt, die auf der Plattform »mikromakrowelt.de« publiziert werden. Sofern diese in Berlin durchführbar sind, können diese, in Absprache mit den AutorInnEn, begangen werden. Es sind aber auch ausdrücklich Spaziergänge aus anderen Städten erwünscht, wobei eine etwaige gemeinsame Realisierung dann nur nach Absprache erfolgen kann.

Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr den Wettbewerb weiterreichen und/oder über eure Blogs und Verteiler posten könntet. Alle Informationen findet ihr unter www.mikromakrowelt.de. Für Rückfragen stehen wir selbstverständlich gerne ebenfalls unter interface at mikromakrowelt.de zur Verfügung.

Herzliche Grüße

Karsten Michael Drohsel, Eva Maria Epple, Werner Pregler und Sebastian Strombach